BMW M1 und Renault Alpine – Top Oldtimer

BMW M1 und Renault Alpine - Top Oldtimer

Es sind Legenden. Legenden mit tragisch-lustigen Entstehungsgeschichten. Legenden, die mit Wein eins gemeinsam haben: Sie waren schon bei der Fertigung gut, sind aber im Laufe der Jahre gereift zu echten Oldtimer-Klassikern. Die Rede ist vom BMW M1 und dem Renault Alpine. Ob Aussehen, Motorleistung, Fahrgefühl oder Ausstattung – das kultige Flair dieser Modelle ist heute mehr denn je allgegenwärtig. Das können Sie auch jederzeit am Preis abmessen…

BMW M1: Der Held der Jugend

bmw m1 sportwagenFür die älteren Jahrgänge ist er ein wahrer Held der eigenen Jugend. Für die Freunde des Rennsports ist er wohl das Auto, das am meisten Rennwagen-Esprit auf die Straße gebracht hat. Wie grandios der M1 aber wirklich ist, zeigt sich wohl in aller Deutlichkeit daran, dass es auch nach fast 40 Jahren immer noch keinen Nachfolger gibt. Um ehrlich zu sein: Es wird wohl auch nie mehr derartig viel Rennwagen für die normale Straße abseits der Rennpisten geben. Und das, obwohl der M1 als Straßenversion anfangs eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Denn BMW verfolgte mit dem BMW M1 eigentlich den Plan, in der so bezeichneten Rundstreckenklasse Gruppe 4 der Konkurrenz um den Porsche Carrera RS, den Ferrari 365 GTB4 und anderen Rennsportlegenden mit einem eingebauten Formel 1 Triebwerk das Fürchten zu lehren. Zeitgleich sollte dann eine Straßenversion des M1 entwickelt werden. BMW scheute dabei keinerlei Mühen und ging clevere Kooperationen ein. So wurde etwa Lamborghini in die Entwicklung von Fahrwerk und Bodengruppe sowie in die Montage und Fertigung einbezogen, während der begnadete Designer Giorgetto Giugiaro (Italdesign) Hand an die Form des Wagens anlegte.

bmw m1 StraßenversionDer Plan stand, das Team scharrte quasi mit den Hufen und die Ambitionen waren riesig. Aber manchmal zerplatzen Träume auch wie Seifenblasen. Zumindest teilweise. Denn 1976 ruderte BMW zurück und nahm Abstand von den ohne Frage ambitionierten Plänen. Denn das angedachte Formel 1 Triebwerk war weder zeitlich noch finanziell zu stemmen. Stattdessen bekam der M1 einen Reihensechszylinder mit 277 PS ins Heck, den Motorenpapst Paul Rosche zum Sportmotor heranzüchtete. Gleichzeitig wurde eine neue Kunststoffkarosserie verbaut, ein kürzerer Radabstand sowie geringere Außenabmessungen gewählt und die Ausstattung reduziert.
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Die Straßenversion des M1 hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt

bmw m1 limitiertBMW läutete 1977 dann den Entwicklungs-Endspurt ein. Fahrwerk, Chassis, Getriebe und Lenkung wurden eingehend erprobt, der Reihensechser befand sich nahezu permanent auf dem Motorenprüfstand, die Ergonomie erhielt ihren Feinschliff, in der Klimakammer wurde mächtig geprobt und in Nardò fanden kontinuierlich Hochgeschwindigkeitestests statt. Und tatsächlich – rechtzeitig zum Beginn des Pariser Automobilsalons war der BMW 1 in ganzer Schönheit und voller Motorkraft fertig. Schon bei der Vorstellung legte die 277 PS starke Straßenversion des BMW M1 den Grundstein für eine bis heute anhaltende Faszination. Zur Legendenbildung trug dabei natürlich auch die limitierte Auflage von gerade einmal 460 Exemplaren bei.

Und heute? Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist der BMW 1 zu einem der weltweit begehrtesten Oldtimer geworden. Nicht umsonst rangieren die Preis jenseits der 500.000 Euro. Keine Frage, alleine die flache, ungemein sportliche Silhouette zieht jeden Betrachter sofort in seinen Bann. Wenn Sie aber erst einmal den Motor anwerfen, der wummernde Sound alle anderen Geräusche verstummen lässt, die Klappscheinwerfer hochgefahren werden und die Gier nach Schnelligkeit aus jeder Pore des Sportwagens herausströmt – erst dann wird die Faszination deutlich, die vom BMW 1 tatsächlich ausgeht.

Ein Franzose wandelt auf den Spuren von Porsche

Renault Alpine A310Wenngleich die Faszination, die vom BMW 1 ausgeht kaum zu toppen ist, so sorgte in den 1970er und 1980er Jahren auch ein Franzose für mächtig Furore. Denn dem Renault Alpine A310 flogen ab 1973 die Herzen in Scharen zu. Das lag vor allem an der neuen Intention des Alpine Firmeninhabers Jean Rédélé, der nicht nur rein auf Sportlichkeit setzte, sondern sein neues Vorzeigemodell auch mit ganz neuem Komfort ausstattete. Das Ziel war es, als französischer Porsche-Konkurrent neue Marktanteile zu generieren. Ähnlich wie bei Porsche setzte der A310 dabei auf einen V6-Motor und auf ein 2+2-sitziges Konzept. Eine Anekdote am Rande: Die Arbeiten an dem sportiv-komfortablen Renault Alpine A110 wurden fast vollständig in der Privatwohnung von Rédélé durchgeführt. Laut Augenzeugenberichten entstanden die ersten Pläne, Zeichnungen und Modelle in der Küche, während im Wohnzimmer der Vierzylinder-Motor konzeptioniert wurde. 1971 wurde dann schließlich der Prototyp des Renault Alpine A310 in Genf der Öffentlichkeit präsentiert.

Renault Alpine SportwagenTechnisch wurde der Rennflitzer aber nicht revolutionär neu aufgestellt. Stattdessen vertrauten Rédélé und sein Team dem Zentralrohrrahmen (A110), den Radstand des A110 GT4 sowie die Heckantriebstechnik des Renault 8 und 10. Außerdem sind alle Räder einzeln aufgehängt und mit Querlenker, Schraubenfedern und Stabilisatoren versehen. Wichtig ist bei diesem Modell aber immer die Fahrwerk-Feinabstimmung. Wenn diese stimmt, wird der A310 selbst bei höchsten Geschwindigkeiten nicht instabil. Ein Highlight stellt sicherlich die vom britischen Designer Trevor Fiore entworfene gewichtsreduzierte Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff dar.
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Renault Alpine steht in der Oldtimer Rangliste ganz weit oben

Renault Alpine A310 OldtimerWährend das erste Modell noch auf einem Vierzylinder basierte, kamen Anfang 1975 auch Varianten mit einem PRV-Sechszylindermotor und V6-Prototypen. Gerade diese Modelle stehen auch heute noch für eine eminente Sportlichkeit, die Renn-Feeling mit sportivem Komfort verbindet. Kaum ein anderes Renault Modell ist derart als Oldtimer begehrt wie der sportlich-komfortable Renault Alpine. Je nach Baujahr und Zustand müssen Sie für die entsprechenden Modelle teilweise knapp 100.000 Euro bezahlen. Schließlich sind die Fahrzeuge oftmals Legenden und verfügen ähnlich wie der BMW M1 über einen hohen Kultfaktor.

Foto: Auto Clasico, Jan Barnier, Anthony Seed, Dennis van der Meijs/ flickr.com

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