Servoöl wechseln – Geschmeidiges Fahren mit frischem Servoöl!

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Servoöl wechseln - Geschmeidiges Fahren mit frischem Servoöl!

Wer sich ein wenig mit Autos auskennt, der weiß was ein „Ölwechsel“ ist. Damit ist jedoch in der Regel nur der Tausch vom Motoröl gemeint. In einem Auto befinden sich aber noch einige weitere Flüssigkeiten, deren Wechsel man nicht vernachlässigen sollte. Neben dem Getriebeöl und dem Öl im Differenzial ist auch das Servoöl nicht unbegrenzt haltbar. Wir zeigen in diesem Text, wie man das Öl für die Bremsverstärkung und Lenkhilfe austauscht.

Komponenten und Funktionsweise der Servolenkung

Servolenkung und ServoölDie Servolenkung ist ein Modul, welches das Drehen vom Lenkrad erheblich vereinfacht. War sie zu Beginn nur für schwere LKW gedacht, wird sie heute serienmäßig auch in Kleinwagen eingebaut. Eine Servolenkung besteht aus
– Hydraulischem Zylinder
– Hydraulikpumpe
– Schlauchsystem
– Ausgleichsbehälter

Die Hydraulikpumpe wird in der Regel durch den Motor mit einem Riemen angetrieben. Sobald sie sich dreht, baut sie Druck auf und macht das Servosystem betriebsbereit. Der hydraulische Zylinder ist direkt an der Zahnstange der Lenkung angeflanscht. Sobald das Lenkrad in eine Richtung gedreht wird, unterstützt der Zylinder die Lenkbewegung in die entsprechende Richtung.

Der Druck ist groß genug, um die Lenkung zu erleichtern. Er ist jedoch nicht so groß, dass er eine selbstständige Bewegung auslösen kann. Die Übertragung der Druckkräfte geschieht über das Servoöl. Solange es frisch und sauber ist, funktioniert dies auch einwandfrei.

Wann man Servoöl tauschen sollte

Frisches ServoölFrisches Servoöl hat eine himbeerrote Farbe. Wenn es überaltert, wechselt sie zu einem trüben Braun. Schuld daran sind Abrieb, Einwirkungen der Motorwärme oder das Eindringen von Fremdkörpern. Dennoch schreibt kaum ein Hersteller einem festen Intervall vor, in dem man das Servoöl wechseln sollte. Als Faustregel kann man sich die Marke von 80.000 – 100.000 km merken. Erreicht man diesen Kilometerstand, ist das Servoöl zumindest reif für die Überprüfung.Servoöl Kaufen für alle Automodelle jetzt günstiger
Überaltertes Servoöl macht sich außerdem durch ein immer lauter werdendes Geräusch an der Servopumpe bemerkbar. Außerdem kann das Lenkrad leicht flattern bzw. etwas schwergängiger beim Drehen sein.

Frisches Servoöl schont auch alle Komponenten der Servolenkung und verlängert deren Lebensdauer.
Da ein Wechsel vom Servoöl jedoch nicht zwingend vorgeschrieben bzw. erforderlich ist, haben die Hersteller keine Standard-Komponenten bzw. Verfahren entwickelt. Anders als bei der leicht zugänglichen Ölablassschraube und Ölfilter beim Motorölwechsel, ist der Tausch vom Servoöl deshalb etwas aufwändiger.

Zahnriemen wechselnEin guter Zeitpunkt ist deshalb der Wechsel des Zahnriemens. Dessen Intervalle sind inzwischen auch sehr lang geworden. Über 100.000 Kilometer sind bei diesen Verschleißteilen heute weitestgehend Standard bei normalen Fahrzeugen. Der Wechsel des Zahnriemens kann so mit der Überprüfung bzw. dem Austausch des Servoöls gut ergänzt werden. Dabei kann man auch gleich die Gängigkeit der Servopumpe testen. Solange sie sich leicht und geräuschfrei dreht, ist sie noch in Ordnung.Bis -50% auf Bosch Zahnriemen preiswert online kaufen

Servoöl wechseln Schritt für Schritt

Um das Servoöl zu tauschen braucht man folgende Werkzeuge und Mittel:
– Wagenheber
– Reifenkeile
– Unterstellböcke
– Absaugpumpe
– Auffangbehälter
– Neuer Ausgleichsbehälter
– Frisches, passendes Servoöl
– Ein Helfer

WICHTIG: Beim Tausch des Öls muss man unbedingt darauf achten, dass die Servopumpe niemals trocken läuft. Sie nimmt sonst schnell Schaden.

1. Wagen aufbocken

Servoöl wechseln anleitungDer Wagen muss aufgebockt werden, damit sich die Vorderräder frei drehen können. Das ist für die Entlüftung der Servoanlage sehr wichtig. Zum Aufbocken wird der Wagen zunächst mit den Wagenhebern angehoben. Anschließend wird er auf geeigneten Böcken abgesetzt.

WICHTIG: Verwenden Sie ausschließlich professionelle Böcke für KFZ. Alle anderen Lösungen wie Kanthölzer, Steine oder nur den Wagenheber sind sehr gefährlich.

Setzen Sie den Wagen immer auf den vorgesehenen Anschlagspunkten oder an geeigneten Punkten ab. Ein falsch angesetzter Bock kann schlimmstenfalls die gesamte Karosserie verziehen.

Nach dem Aufbocken des Vorderwagens werden die Hinterräder mit Keilen gesichert.

2. Altes Servoöl entfernen

Altes Servoöl entfernenUm an den Ausgleichsbehälter heran zu kommen muss ggf. einiges ausgebaut werden. In jedem Fall sollte der Auffangbehälter in der Nähe vom Ausgleichsbehälter positioniert sein. So vermeidet man lange Wege und unnötige Verschmutzungen im Motorraum. Als Auffangbehälter eignen sich aufgeschnittene Kanister von Scheibenwischwasser oder alte Küchenschüsseln.
Das Servoöl wird mit einer Absaugspritze direkt am Ausgleichsbehälter entnommen und sofort in den Auffangbehälter umgefüllt. Eine geeignete Spritze kostet ca. 25 Euro. Sie sollte für Öl und Benzin zugelassen sein.

3. Restmengen auspumpen

Restmengen des Servoöls auspumpenMit der Spritze lässt sich leider nicht das gesamte Servoöl entfernen. Darum muss ein wenig frisches Öl „geopfert“ werden, um das System vollständig von dem alten Betriebsstoff zu befreien. Jetzt ist die Hilfe von der zweiten Person erforderlich.
Zunächst baut man den Ausgleichsbehälter so weit aus, dass man an die Schläuche heran kommt. Der Zulaufschlauch zum Ausgleichsbehälter wird abgezogen und in den Auffangbehälter gehalten. Man erkennt diesen am dickeren Querschnitt.
Danach wird die Zulauföffnung mit Klebeband oder einem anderen Hilfsmittel verstopft.
Nun schüttet man etwas frisches Hydrauliköl in den Behälter. Der Helfer startet den Motor und bewegt die Lenkung abwechselnd rechts und links bis Anschlag. Da die Hydraulikpumpe sehr schnell absaugt, muss permanent frisches Hydrauliköl nachgeschüttet werden. Sonst droht die Servopumpe leer zu laufen und das sollte man unbedingt vermeiden. Sobald das himbeerrote, frische Öl am Auffangbehälter angekommen ist, wird der Motor ausgeschaltet.

Das hydraulische Servosystem ist nun gespült.

4. Den Ausgleichsbehälter tauschen

Der Ausgleichsbehälter hat einen integrierten Filter, der sich nicht ausbauen lässt. Um ein hydraulisches Servosystem zu überholen, muss man deshalb immer den ganzen Ausgleichsbehälter wechseln.

TIPP: Schneiden sie den Zu- und Ablaufschlauch am Ausgleichsbehälter unterhalb vom Stutzen ab und verwenden Sie neue Schraubschellen.

Den Ausgleichsbehälter tauschenDie Schläuche können an den eingedrückten Stellen an Spannkraft verlieren und so stets zu Undichtigkeit neigen. Mit gekürzten Schläuchen schließt man den neuen Ausgleichsbehälter immer an einer frischen Stelle an. Die Schläuche und die Stutzen haben unterschiedliche Querschnitte. So ist eine Verwechslungsgefahr ausgeschlossen. Da ein neuer Ausgleichsbehälter je nach Wagentyp nur 5 -15 Euro kostet, sind diese Mehrkosten beim Tausch des Öls absolut vertretbar.
Sollten die Schläuche aber bereits porös sein, ist ihr Austausch angezeigt. Poröse, rissige Schläuche neigen immer zu Undichtigkeiten. Das kann zu gefährlichen Fahrsituationen führen.

TIPP: Untersuchen Sie die Schläuche auch auf Bissspuren von Mardern. Man erkennt diese gut am Biss und am gegenüber liegenden Gegenbiss. Sollte sich ein Marder im Motorraum eingenistet haben, muss sofort gehandelt werden: Eine gründliche Motorwäsche und ein Ultraschall-Gerät schaffen dauerhaft Abhilfe.

5. Servoöl nachfüllen

Servoöl nachfüllenSchließlich wird das frische Servoöl nachgefüllt. Hierzu startet wieder der Helfer den Motor und schlägt während dem Nachfüllen permanent die Lenkung nach jeder Seite abwechselnd ganz ein. Dadurch entlüftet das Hydrauliksystem. Wenn das Öl am Ausgleichsbehälter stehen bleibt, wird der Einfüllvorgang gestoppt. Anschließend wird der abgeschraubte Deckel lose auf den Ausgleichsbehälter gelegt und wieder angehoben. Der Ölstand ist nun am integrierten Messstab ablesbar. Er sollte so gut wie möglich einen „vollen“ Zustand anzeigen. Jedoch darf das Hydrauliksystem auch nicht überfüllt sein. Beim Überschreiten der Höchstmarke wird mit der Saugspritze wieder etwas Öl entfernt, bis der ideale Füllstand erreicht ist.

TIPP: Achten Sie unbedingt darauf, nur für Ihr zulässiges Servoöl zu verwenden. Auskunft gibt der KFZ-Schein oder die Betriebsanleitung des Fahrzeugs. Falsches Servoöl kann die Schläuche von innen zersetzen und schwere Schäden verursachen. Kaufen Sie auch immer passend zur Füllmenge ein. Große und entsprechend preiswerte Gebinde machen wegen der langen Wechselintervalle nur wenig Sinn.

Servoöl kostet 10 – 50 Euro pro Liter.

Folgen von überaltertem Servoöl

Servopumpe defektVerschmutztes Öl im hydraulischen Servosystem wirkt schädigend auf alle Komponenten. Vor allem die Servopumpe leidet unter Partikeln im Ölstrom sehr. Die Mikropartikel setzen sich gerne in den Lagern ab und wirken dort abrasiv. Eine defekte Servopumpe macht sich durch ein lautes Schleifgeräusch bemerkbar. Ihr Austausch ist zwar nicht schwer aber teuer. Eine neue Servopumpe kostet, je nach Hersteller, zwischen 150 und 500 Euro. Mit frischem Servoöl und neuem Ausgleichsbehälter kann man mit einem Bruchteil dieses Preises die Lebensdauer der Servopumpe entscheidend verlängern.Hydraulikpumpe zum reduzierten Preis hier bestellen

Altes Servoöl entsorgen

Wie alle Schmierstoffe auch, ist altes Servoöl ein Problemabfall, der nicht mit dem Hausmüll (oder durch den Ausguss) entsorgt werden darf. Am besten füllt man den alten Schmierstoff in die frische, geleerte Gebinde um. Danach kann man es dort wieder abgeben, wo man es gekauft hat. Die Händler sind zur Annahme verpflichtet und haben geeignete Partner für die professionelle Entsorgung der Reststoffe.

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