Wie Kfz-Werkstätten bei Auto-Ersatzteilen abkassieren und wie man das verhindert

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Wie Kfz-Werkstätten bei Auto-Ersatzteilen abkassieren und wie man das verhindert

Wenn dem ahnungslosen Kunden beim Wintercheck eine ellenlange Liste mit kaputten Teilen aufgetischt wird oder ein einfaches Klappern zum Vollschaden der Aufhängung erklärt wird, dann versuchen solche Kfz-Werkstätten möglicherweise einen Bären aufzubinden. Solche Reparaturen sind dann nicht nur unnötig, sondern gehen auch mächtig ins Geld.

Wie wird getrickst?

dubiose Kfz-WerkstättenEs gibt mehrere Methoden, wie dubiose Kfz-Werkstätten versuchen, das Geld aus ihren Kunden herauszuquetschen.

Dies beginnt beim eher harmlosen Aufschreiben von Ersatzteilen und kann bis zur mutwilligen Zerstörung gehen:

  • Häufig werden vor allem kurzlebige Ersatzteile wie Glüh- oder Zündkerzen, Öl- und Luftfilter, aber auch das Öl selbst bemängelt, obwohl diese im Grunde noch in Ordnung waren. Nur damit man überhaupt etwas verkauft hat.
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  • Sind Symptome schwer nachzuvollziehen und merkt die Werkstatt, dass der Kunde wenig Ahnung hat, werden gerne auch größere Ersatzteile wie Bremsen, Stoßdämpfer, Auspuff, Kupplung oder die Radaufhängung aufgeschrieben.
  • Betrügerisch und dreist wird es dann, wenn die Werkstatt das Problem selbst verursacht und beispielsweise Wasser in den Tank schüttet oder mit schwarzer Lebensmittelfarbe Rückstände im Öl simuliert, die eigentlich nicht vorhanden sind.
  • Manchmal werden „unvorhergesehene Komplikationen“ vorgeschoben, um den Preis in die Höhe zu treiben oder im letzten Moment noch ein teures Ersatzteil zu verkaufen.

Nicht immer hat der Verkäufer dabei wirklich betrügerische Absichten, sondern meint es einfach nur gut, weil er statt auf die verschlissenen Bremsen hinzuweisen, diese sofort auf die Reparaturliste setzt. Auch der Konkurrenzdruck spielt eine große Rolle und gerade in größeren Werkstattketten werden Mitarbeitern Umsätze vorgegeben, die nicht immer realistisch sind.

Wie sollte man sich verhalten?

Vor der Prüfung in den Kfz-Werkstätten

Vor der Prüfung:
  • Meistens kann man sich schon vorher ein ungefähres Bild vom Schaden machen, indem man im Internet nach den Symptomen sucht. So ist man nicht ganz ahnungslos und merkt schneller, wenn unrealistische Reparaturen gefordert werden.
  • In der Werkstatt umsehen! Ist es dreckig, liegt Werkzeug herum oder verhält sich das Personal unhöflich, Kehrtwende machen und Alternative suchen.
  • Freunde und Familie nach guten Kfz-Werkstätten fragen. Mundpropaganda ist besser als jede Werbung.

Während der Untersuchung in den Kfz-Werkstätten

Während der Untersuchung/ Preisverhandlung:
  • Wenn es irgendwie möglich ist, bei der Untersuchung dabei bleiben und den Mitarbeiter Zusammenhänge erklären lassen. So wird Manipulation vorgebeugt und man merkt, wenn dieser in Erklärungsnöte gerät.
  • Kostenvoranschläge nicht unbedingt sofort akzeptieren. Die Liste genau prüfen. Passt sie zu den Symptomen, sind unnötige Arbeiten drauf (nicht gewünschte Öl- und Filterwechsel) oder ist die veranschlagte Arbeitszeit ungewöhnlich hoch? Im Zweifel: Zweitmeinung einholen und wiederkommen.

Bei der Reparatur in den Kfz-WerkstättenBei der Reparatur:

  • Ein Kostenvoranschlag ist nicht bindend, muss aber grob eingehalten werden. Sollten Arbeiten länger dauern als geplant oder Ersatzteile nicht verfügbar sein, muss die Werkstatt darüber informieren. Auf keinen Fall sollte man Rechnungen bezahlen, die preislich weit höher als vereinbart liegen.

Nicht immer ist die Werkstatt schuld

Obwohl es sich manchmal wie an den Haaren herbeigezogen anhört, liegt die Schuld für teure Reparaturen nicht immer nur bei den Kfz-Werkstätten. Ein Beispiel: Der Mazda 6 verfügt über eine elektrische Höhenverstellung für den Frontscheinwerfer. Ist diese defekt, kann die Werkstatt nicht nur den Motor und die Mechanik tauschen, sondern muss den gesamten Scheinwerfer ersetzen. Der Kostenpunkt dafür: Mehr als 500 Euro. Ganz ähnliche Gegebenheiten findet man bei Premium-Automobilherstellern wie BMW und Mercedes. Auch hier können kleine Fehler oft teure Reparaturen verlangen.Scheinwerfer von HELLA Satte Rabatte auf Top-MarkenKfz-Werkstätten binden sich an die HerstellerVertragswerkstätten binden sich an die Hersteller, können deswegen auch nur Original-Ersatzteile kaufen. Die sind aufgrund des sogenannten „Designschutz“ meist wesentlich teurer als solche in „Erstausrüsterqualität„, wo Spezifikation und Leistung identisch sind. Aber es gibt einen Ausweg: Wer die Ersatzteile bei freien Händlern selbst kauft und von der Werkstatt einbauen lässt, kann kräftig sparen. Sollte sich die weigern oder behaupten, dadurch würde die Garantie erlöschen, braucht man keine Angst haben. Selbstverständlich bleibt der Anspruch auf Gewährleistung auch bei der Reparatur mit Teilen seiner Wahl bestehen.

Welche Ersatzteile sind betroffen

Welche Ersatzteile sind in den Kfz-Werkstätten betroffen

Häufig: Typische Verschleißteile, die oft gewechselt werden müssen
– Luftfilter, Ölfilter, Öl, Kühlflüssigkeit, Zündkerzen, Glühkerzen, Wischerblätter, Lampen(Leuchtmittel), Batterie
Gelegentlich: Langlebige Verschleißteile mit Laufleistungen bis zu 200.000 Kilometern
– Bremsscheiben, Bremsbeläge, Bremssattel, Kupplung, Abgasanlage, Radlager, Stoßdämpfer, Zahnriemen, Steuerkette, Keilriemen/Keilrippenriemen
Selten: Teile mit langer Lebensdauer und vorhandenen Abnutzungen
– Zylinderkopfdichtung, Achsmanschetten, Zündspule, Turbolader, Stoßdämpfer, Lenkgetriebe, Fahrwerksfedern, Domlager, Bremskraftverstärker

Was tun, wenn man abgezockt wurde?

Was tun, wenn man von den Kfz-Werkstätten abgezockt wurdeWer das Gefühl hat, dass er abgezockt wurde, wie im Bericht von Frontal21 oder wenn Unstimmigkeiten mit der Werkstatt bestehen, kann sich bei den Schiedstellen des Kfz-Gewerbes melden. Diese Institution gibt es seit 1970. Sie kümmert sich wie die Verbraucherzentrale um die Einhaltung der Rechte von Kunden im Kfz-Gewerbe. Und zwar völlig kostenlos. Einziger Nachteil: Die Kfz-Schiedsstelle hilft nur, wenn der Betrieb Mitglied der Kfz-Innung ist. Dann aber ist der Schiedsspruch für die Kfz-Werkstätten bindend und muss akzeptiert werden.

Auch der Anwalt kann dabei helfen, sich gegen schwarze Schafe zur Wehr zu setzen. Dann ist es wichtig, dass man die Rechnung zeitnah beanstandet und im terminierten Zeitrahmen auf Korrektur bestanden hat. Die Zahlung dann verweigern und Kostenvoranschläge allenfalls „unter Vorbehalt“ unterschreiben. Die Chancen vor Gericht stehen im Allgemeinen nicht schlecht. Vor allem dann, wenn Kostenvoranschläge um mehr als 20% überschritten werden, geben die Richter vorzugsweise dem Kunden Recht. Ohne Rechtsschutzversicherung kann ein solches Verfahren aber teuer und langwierig werden.

Bauernfängerei in Kfz-Werkstätten
– Alles zum Thema auf einen Blick:

So wird man ausgetrickst:
  • Um mehr zu verdienen, werden häufig Mängel aufgeschrieben, die nicht vorhanden sind. Unnötige Reparaturen treiben den Rechnungsbetrag in die Höhe.
  • Vor allem kurzlebige Verschleißteile werden gerne als „Lückenfüller“ genommen, wenn es sonst nichts zu beanstanden gibt. Wer Schwäche zeigt und offen zugibt, dass er keine Ahnung hat, dem können aber auch größere Reparaturen angedreht werden.
  • Möglich sind auch Manipulation und mutwillige Zerstörung, die man am Ende teuer bezahlen muss.
Diese Ersatzteile sind häufig betroffen:

1. Alles, was oft getauscht werden muss wie Filter, Zündkerzen und Betriebsflüssigkeiten
2. Alles, was von hohem Verschleiß betroffen ist wie Bremsen, Reifen, Kupplung und Abgasanlage

So schützt man sich vor den Betrügern:
  • Freunde und Familienmitglieder können oft Kfz-Werkstätten empfehlen, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben. Sind diese dann noch sauber und gepflegt und das Personal verhält sich freundlich, ist die Chance gering, dass es sich hierbei um ein schwarzes Schaf handelt.
  • Für den Termin Zeit nehmen, vorher schonmal die Symptome im Internet nachschauen, bei der Prüfung dabei bleiben und Zusammenhänge hinterfragen. Kostenvoranschlägen nicht direkt zustimmen, nach alternativen Ersatzteilen fragen und Preis runterhandeln. Auf keinen Fall Komplettpakete kaufen!
  • Läuft bei der Reparatur etwas schief oder es entstehen Komplikationen, die Werkstatt anrufen lassen.
Wie man sich dagegen wehrt:
  • Ist der Betrieb Mitglied der Kfz-Innung, kann man die Schiedsstellen kontaktieren, die dann kostenlos vermitteln und bindende Urteile sprechen.
  • Der Gang zum Anwalt sollte – falls gewünscht – möglichst zeitnah durchgeführt werden, allerdings muss man der Werkstatt die Möglichkeit geben, Rechnungen zu verbessern. Gerichtsverhandlungen können lange und kostenaufwendig sein.

Eine Alternative: Selbst kaufen und wechseln

Ersatzteile selbst kaufen und wechselnDie sogenannten Selbsthilfewerkstätte, Mietwerkstätte oder auch Hobbywerkstätte sind Betriebe, die das selbst wechseln von Ersatzteilen durch die Bereitstellung von Werkzeugen und Räumlichkeiten unterstützen. Häufig gibt es dort auch Kfz-Mechaniker, die kurzfristig helfen oder mit anpacken können. Wer diese nutzt, muss sich darüber im Klaren sein, dass man hier keine Garantie für die durchgeführten Arbeiten gibt, selbst wenn diese betreut werden. Trotzdem handelt es sich um eine mögliche Alternative zur klassischen Reparatur durch die Werkstatt, denn das Ersatzteil kauft man selbst und es werden nur die wirklich nötigen Arbeiten durchgeführt.

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